
„Toget som (ikke) gikk“ (Der Zug der (nie) wegfuhr)
Letztes Jahr im Januar wurde ein Mann in Oslo auf der Strasse brutal
zusammen geschlagen, und dann später auch im Bus, während
39 andere Passagiere als Zeugen zuschauten. Keiner der Mitfahrer versuchte
die Mißhandlung zu verhindern, und niemand rief die Polizei an.
Es war nicht nur die Mißhandlung selber, sonder auch die Passivität
der Zeugen, die mich schockiert hat. Ich begann darüber zu recherchieren,
und fand heraus, dass es viele solche Beispiele schon gab. Es gibt eine
psychologische Theorie darüber, die als ‚Bystander Effect’
bekannt wurde. Es geht dabei darum, dass oft ein Individuum mit geringerer
Wahrscheinlichkeit in einer heiklen Situation agiert, wenn er / sie
in Anwesenheit einer Gruppe von Menschen ist.
Meine Intention bei diesem Werk ist Verwirrung zu erzeugen und das Thema
der Passivität anzusprechen. Vor allem die ersten 3 Szenen des
Stückes sind solche die ‚sichere’ Umgebungen symbolisieren
sollen. Die Charaktere sind solche, deren Arbeit es ist ‚Gutes’
zu tun. Man könnte denken, dass sie ein stärker ausgeprägtes
Gespühr dafür haben, anderen zu helfen. Trotzdem gibt es etwas
in der Situation, das sie daran hindert eine Verbindung zum Geschehen
zu schaffen. Und aus irgend welchen Gründen auch immer, können
auch die Menschen um diese Charaktere herum ihnen nicht helfen. Dies
erzeugt die Dramatik und das Gefühl von Hilflosigkeit. Dabei ist
auch der symbolische Wert des 'Zeuge sein’ sehr wichtig.
Sturla B Grovlen
