Sigbjørn Bratlie & Arne B. Langleite
“I Can Speak!”
wurde mit einer stationären Kamera, die auf den Rücksitz von Arne’s ‘99 Citroen Xsara fest gemacht wurde, gefilmt. Ein Mann mit einem orientalischen Strohhut auf den Kopf fährt langsam durch die Vorstadtviertel von Oslo, wahrscheinlich auf dem Weg irgendwohin, anscheinend nicht sicher wohin genau er fahren soll. Er kommt nie so richtig am Ziel an. Die Dauer jedes Filmausschnittes entspricht der Dauer seines ‘Bring Dir selbst Chinesisch bei” Kurses, der auf dem CD Player seines Autos läuft, was ihn dazu ermutigt, die vier Töne der chinesischen Sprache zu erlernen, dadurch dass er endlos die folgenden Worte wiederholt: “M_, má, mã, mà – t_ng, táng, tãng, tàng – sh_, shú, sh_, shù”
Bei unseren neuesten kollaborativen Ausstellungen haben Arne und ich, uns mit dem Konzept des Anti-Helden in der Kunst beschäftigt. Wir haben uns gefragt, ob so eine Figur überhaupt existiert: der Künstler, der offen seine Zweifel zur Schau stellt, ob Kunst überhaupt in der Lage ist irgendetwas sinnvolles zu sagen; der Künstler der seiner Rolle als Authorität entledigt ist; der Künstler als Clown.
Woody Allen war bisher, aus Gründen, die man nicht weiter erklären muss, eine Inspiration. Daher haben wir ein Zitat von ‘Annie Hall’ für eine Ausstellung, die wir letztes Jahr gemacht haben, gewählt “Ich töte Spinnen seit ich dreißig bin ”.
Für uns stellt, “I Can Speak!” (der Titel stammt aus einer George Saunders Kurzgeschichte), eine Art künstlerischer ‚Fötusposition’ dar. Die künstlerische Aussage wird auf ihre anfänglichen Grundzüge reduziert. Hier wird dies durch den Beginngersprachkurs repräsentiert. Die Idee ist, dass der Künstler, obwohl er weder wichtige Themen zu diskutieren findet noch etwas hat wofür es sich zu kämpfen lohnt, trotzdem versucht seinen Weg im Labyrinth zu finden, indem er den Sinnverlust als Stärke benutzt. Und: der angebliche Sinnverlust erschafft seinerseits die Regeln eines neuen Spieles, das trotzdem über Kreativität und künstlerische Aktivität spricht, eine Art von Pseudo-Dadaismus.
Bestenfalls, wird das Video Kafkas Stück ‘Das Schloss’ wiederhallen lassen. Schlimmstenfalls, wird es in den Betrachter Übelkeitsgefühle auslösen und ihn glücklich über jeden einzelnen alltäglichen Spruch werden lassen (“Wie geht’s Dir ”, “Pass auf Dich auf”, “Hab Dich schon lange nicht mehr gesehen“, “hasta la vista”, usw., usw.).