Ein Papst nach dem anderen'

(2007) – Ein Video von Christoph Burtscher (Fotos) und Gato Leiras (Sound)

Als 1978 gleich drei Päpste - Paul VI, Johannes Paul I und Johannes Paul II - aufeinander folgen, stellt der damals zwölfjährige Christoph Burtscher, fasziniert von den kirchlichen Begebenheiten, den Fotoapparat vor dem Fernseher auf und bringt mit dem Auslöser der Kamera den Ereignisfluss der TV-Bilder zum Stillstand. Jahrzehnte später macht sich in den wieder gefundenen Fotos - voller Streifen und Drop-Outs - das Verblassen der Farben bemerkbar, so dass Festhalten als auch Verfließen von Zeit einen Freiraum kreieren, sich mit größerer Distanz den Inszenierungen religiöser Massenevents zu nähern. Die Musik erhält dabei die Möglichkeit, sich vom Sinn der damals mit dem Recorder aufgezeichneten Nachrichten (der Sprache, der Geschichte) zu befreien und bleibt so allein auf sich gestellt, eine gesungene Melodie, ohne Vergangenheit oder Zukunft.

‚Arbeiten an einem Wunder’

(
2003) - Neun fotografische Versuche zu HIV-Blut- und Heiligenbildern von Christoph Burtscher

Die neun HIV-Blut- und Heiligenbilder erzählen von persönlicher Hoffnung auf Schutz und Heilung, von geheimnisvoller, aber nur vorübergehender Besserung. Christoph Burtscher geht es u.a. darum, die Krankheit Aids von der ‚Diktatur der Bedeutung’ zu lösen. In ‚Arbeiten an einem Wunder’ kritisiert er einen religiös motivierten Umgang, der die Krankheit zur (Gottes)Strafe umdeutet. Auf diese verhängnisvolle Zuschreibung reagiert Burtscher, indem er mit Figuren arbeitet, die innerhalb des christlichen Zeichen- bzw. Glaubenssystems beheimatet sind. Pestheilige, wie Christophorus und Sebastian, haben einen festen Platz im Fundus römisch-katholischer Bild- und Erzähltraditionen. Mit diesen beiden Figuren arbeitet er, wendet sie aber gegen die Perversion kirchlicher Deutungsmacht, die immer noch enorm ins gesellschaftliche Leben ausstrahlt.

Christoph Burtscher & Gato Leiras